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Seelsorgerliche Briefe

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Lob der Treue und Festigkeit

10. Juni 1552: Brief an die Gefangenen in Lyon

Meine lieben Brüder, ich schob es bisher auf, Euch zu schreiben, da ich fürchtete, wenn mein Brief in böse Hände käme, so könnte das den Feinden neuen Anlaß bieten, Euch noch härter zu bedrücken. Auch war ich davon unterrichtet, daß Gott durch seine Gnade so an Euch wirkte, daß Ihr meines Schreibens gar nicht sehr bedurftet. Doch haben wir Euch nicht vergessen, weder ich noch all die anderen Brüder hier, so wenig wir im ganzen für Euch tun konnten. Sobald Ihr gefangengenommen wart, erhielten wir Nachricht davon und erfuhren, in welcher Weise es geschehen ist. Wir sorgten dafür, daß man Euch rasch zu Hilfe kam, und warten nun auf Antwort, ob dadurch etwas erreicht worden ist. Die, die etwas vermögen bei dem Fürsten, in dessen Hände Gott Euer Leben gegeben hat, haben sich redlich Mühe darum gegeben; aber wir wissen noch nicht, wieviel ihr Vorgehen genützt hat. Doch beten alle Kinder Gottes für Euch, wie es ihre Pflicht ist, sowohl um des gegenseitigen Mitleidens willen, das bestehen muß unter Gliedern eines Leibes, als auch, weil sie wissen, daß Ihr für sie leidet, indem Ihr die Sache ihrer Seligkeit verfechtet. Wie es auch sei, wir hoffen, daß Gott Eurer Gefangenschaft einen glücklichen Ausgang gibt, so daß wir uns darüber freuen können. Ihr seht, wozu er Euch berufen hat; zweifelt nicht daran, daß er Euch, wie er Euch brauchen will, so auch Kraft geben wird, sein Werk zu vollenden, denn er hat es versprochen. Und wir haben es genugsam erfahren, daß er noch nie die im Stich gelassen hat, die sich von ihm leiten ließen; ja, Ihr habt dafür schon Gewähr an Euch. Denn darin hat er seine Kraft gezeigt, daß er Euch solche Standhaftigkeit gegeben hat, den ersten Angriffen zu widerstehen. Vertraut ihm also, daß er das Werk seiner Hand nicht unvollendet lassen wird. Ihr wißt, was uns die Schrift vorhält, um uns Mut zu machen, den Kampf des Sohnes Gottes zu kämpfen; denkt an das, was Ihr davon früher gehört und gesehen habt, und setzt es jetzt in die Tat um. Denn alles, was ich
Euch sagen könnte, nützte Euch nichts, wenn es nicht geschöpft wäre aus diesem Quell. Es braucht ja tatsächlich viel mehr als Menschenhilfe, um uns siegen zu lassen über so starke Feinde, wie Teufel, Tod und Welt es sind; aber die Festigkeit, die in Jesus Christus ist, genügt dagegen und gegen alles, was uns erschüttern könnte, wenn wir nicht in ihm gegründet wären. Da ihr nun wißt, an wen Ihr geglaubt habt, so zeigt nun, welche Ehrfurcht er verdient.

Weil ich hoffe, Euch später wieder schreiben zu können, so will ich jetzt meinen Brief nicht länger werden lassen. Ich will nur kurz auf die Punkte antworten, auf die Bruder Bernard meinen Bescheid verlangt ... (Es folgen theologische Einzelfragen)

So will ich schließen und bitte unsern lieben Gott, er möge Euch in jeder Weise spüren lassen, was sein Schutz über die Seinen vermag, er möge Euch erfüllen mit seinem Heiligen Geist, der Euch Klugheit und Tapferkeit gebe und Frieden, Freude und Ruhe bringe, daß der Name unseres Herrn Jesus verherrlicht werde durch Euch zur Erbauung seiner Kirche.

Genf, 10. Juni 1552.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00