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Seelsorgerliche Briefe

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Von der Herrlichkeit des Martyriums

07. März 1553: Brief an die Gefangenen in Lyon

Meine Brüder, wir waren diese Tage in größerer Sorge und Traurigkeit als je zuvor, da wir von dem Beschluß hörten, den die Feinde der Wahrheit gefaßt haben. Während der Euch bekannte Herr hier durchreiste und in aller Eile zu Mittag speiste, um jede Verzögerung zu vermeiden, setzte ich ihm einen Brief auf in der Form, wie ich ihn zu schreiben gut fände. Gott hat Euch so viel gegeben, daß den Seinen allen noch etwas davon zugute kommt: so erwarten wir das Ende, das ihm gefällt, bitten ihn aber stets, Euch seine starke Hand zu bieten und Euch nicht fallenzulassen, überhaupt Euch in seiner Hut zu halten. Ich bin ganz sicher, daß nichts die Kraft ins Wanken bringt, die er in Euch gelegt hat. Schon seit langem habt Ihr den letzten Kampf voraus erwogen, den Ihr aushalten müßt, wenn es sein Wohlgefallen ist, es bis dahin kommen zu lassen. Ja, ihr habt bisher so gekämpft, daß Euch die lange Erfahrung gestählt hat, auch das übrige noch zu bestehen. Freilich kann es nicht anders sein, als daß Ihr auch noch einige Schwächen spürt, aber verlaßt Euch darauf, der, in dessen Dienst Ihr steht, wird seinen Geist so in Euch herrschen lassen, daß seine Gnade über alle Versuchungen weghilft. Wenn er verheißen hat, die mit Geduld zu stärken, die um ihrer Sünde willen Züchtigung erleiden, so wird er doch noch viel weniger die verlassen, die seine Sache führen und die er braucht zu einem so herrlichen Amt, Zeugen seiner Wahrheit zu sein. So erinnert Euch an den Spruch: Der, der in euch wohnt, ist stärker als die Welt [Jak. 4, 5?; Joh. 16, 33]. Wir wollen hier unsere Pflicht tun und ihn bitten, er möge sich mehr und mehr verherrlichen in Eurer Standhaftigkeit und durch den Trost seines Geistes möge er versüßen und lieb machen, was dem Fleische bitter ist, und Eure Sinne so an sich ziehen, daß Ihr im Blick auf die Krone im Himmel bereit seid, ohne Bedauern alles, was von der Welt ist, zu verlassen.

Ich habe ein Blatt Papier erhalten, auf dem die sehr spitzfindigen Gründe stehen, mit denen diese unglückselige Bestie Ory beweisen will, es sei erlaubt, Götzenbilder zu machen. Ich weiß nicht, habt Ihr es mir gesandt und erwartet Ihr, daß ich antworte. Ich wollte nicht darangehen, da ich daran zweifelte, und tatsächlich glaube ich, Ihr habt es Eurerseits nicht sehr nötig. Wünscht Ihr es aber, so sollt Ihr mit dem ersten Boten eine Antwort darauf erhalten. Etwas möchte ich von Euch fordern; Ihr habt neulich einen Brief erhalten von einem kleinen Verächter Gottes hier, der nichts tut als die Kirche verwirren und dieses Handwerk nun schon fünf Jahre durch unaufhörlich treibt. Ich möchte nun, Ihr ließet mir mit dem nächsten Boten ein aufklärendes Wort darüber zukommen, um seine Bosheit aufzudecken; sonst fährt er ohne Ende so fort. Ich bitte Euch darum, weil Ihr die Ruhe dieser Kirche wollt, die mehr, als man glauben sollte, von Feinden im Innern beunruhigt wird. Und nun, liebe Brüder, bitte ich unsern lieben Gott, Euch zu behüten, Euch in allem und überall beizustehen und Euch erfahren zu lassen, wie er ein Vater ist und wie er für das Wohl der Seinen besorgt ist, und empfehle mich auch Eurer Fürbitte.

Den 7. März 1553.


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00