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Genfer Akademie

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Martin Bucer

* 11. November 1491 in Schlettstadt im, heute Sélestat Elsass in Frankreich
? 28. Februar // 1. März 1551 in Cambridge in England

Martin BucerMartin Bucer besuchte die berühmte Lateinschule seiner Heimatstadt und erfuhr in dieser eine Ausbildung im Geiste des oberrheinischen Humanismus. 1506 trat er in den Dominikanerorden, wo weitere Studien im scholastischen Sinne der Theologie des Thomas von Aquin folgten. Nach seiner Priesterweihe in Mainz 1516 studierte er ab 1517 an der Universität in Heidelberg. Über seine humanistischen Studien begeisterte er sich für Erasmus. Gleichzeitig begegnete er der protestantischen Theologie im April 1518 bei der Disputation Luthers. Ende 1520 verließ Bucer den Dominikanerorden und ging nach Speyer zu einem Freund. Nach mühsamen Kämpfen bekam er endlich 1521 aus Rom die Erlaubnis zum Austritt aus dem Orden. Daraufhin wurde er, versetzt in den Weltpriesterstand, Hofkaplan des Pfalzgrafen Friedrich. Im Mai 1522 nahm er aber seinen Abschied und zog auf die Ebernburg zu Reichsritter Franz von Sickingen. Dieser übertrug ihm die Pfarrei Landstuhl. Dort heiratete er im Sommer 1522 - in auffälliger Missachtung seines noch gültigen Zölibatsgelübdes  - die frühere Nonne Elisabeth Silbereisen. Im Winter 1522/23 wirkte er reformatorisch im elsässischen Weißenburg. Er wurde jedoch verunglimpft, der lutherischen Predigt und des politischen Aufruhrs bezichtigt und so schließlich vom Bischof zu Speyer im Februar 1523 exkommuniziert. Bald darauf musste Bucer Anfang Mai 1523 in der toleranten Reichsstadt Straßburg um Asyl bitten. Dort wurde er im März 1524 zum Pfarrer ordiniert wurde. Im September 1524 wurde er schließlich Bürger in Straßburg. Im Januar 1528 lernte Bucer auf der Berner Disputation Zwingli persönlich kennen, nachdem er mit diesem seit 1523 brieflich Kontakt hatte. Als nächstes hatte Bucer von 1529 bis 1540 eine einflussreiche Predigerstelle an der St. Thomas-Kirche inne. Von nun an wirkte Bucer 24 Jahre von Straßburg aus in Südwestdeutschland als maßgeblicher Führer der Reformation.

Bei den Marburger Religionsgesprächen zwischen Luther und Zwingli im Oktober 1529 spaltete sich über die Abendmahlsfrage die reformatorische Bewegung. Bucer hatte erfolglos versucht zu vermitteln. 1530 arbeitete er zusammen mit Capito das "Vierstädtebekenntnis" aus. Des Weiteren versuchte Bucer, Luthers Misstrauen den Oberdeutschen gegenüber zu zerstreuen und reiste selbst durch Oberdeutschland und die Schweiz, um die Bereitschaft zur gegenseitigen Annäherung zu wecken. Er hatte die Dringlichkeit eines gemeinschaftlichen Zusammenschlusses angesichts der gefahrvollen Lage erkannt. Bucer erreichte die Aufnahme der oberdeutschen Städte in den Schmalkaldischen Bund. Seit dem Tod Zwinglis 1531 war Bucer anerkanntes Haupt der Oberdeutschen Protestanten und unterstützte 1531 die Realisierung der Reformation in Ulm, Memmingen und Biberach. 1533 wurde Bucer Präses des Kirchenkonvents. In der "Wittenberger Konkordie" von 1536 erreichte er einen bedeutenden Konsens: Die oberdeutschen Reformatoren schlossen sich in der Abendmahlsfrage der lutheranischen Sicht an. Auf diese Weise verhinderte er auch die Auflösung des Schmalkaldischen Bundes. Um die wachsende Täuferbewegung einzudämmen, weilte Bucer 1538 bis 1539 in Hessen. Er bezwang den Täufereinfluss durch Einführung der "Ziegenhainer Zucht- und Ältestenordnung", die unter anderem die Einführung der Konfirmation und Kirchenzucht vorsah.

Von 1540 bis 1541 nahm Bucer an den ergebnislos verlaufenden Religionsgesprächen zwischen Protestanten und Katholiken in Hagenau, Worms und Regensburg teil. 1541 starb seine Frau der Pest, an der ebenfalls Capito starb. Daraufhin wurde Bucer Superintendent der Straßburger Kirche und Mitglied des Thomaskapitels. Ein Jahr später heiratete Bucer Wibrandis Rosenblatt, die Witwe von Capito. 1542 bis 1543 bemühte Bucer sich auf Bitten von Erzbischof Hermann von Wied in Bonn zusammen mit Melanchthon um die Reformation des Erzbistums Köln. Diese scheiterte aber infolge politischer Ereignisse. Daraufhin kehrte Bucer nach Straßburg zurück und wurde 1544 Dekan des Thomaskapitels. 1547 wurde Bucer der Führer der Widerstandspartei gegen das Augsburger Interim vom April/Mai 1548. Jedoch wurde es auch von Straßburg im Februar 1549 auf kaiserlichen Druck hin angenommen. Daraufhin verließ Bucer nach 26 Jahren Straßburg, um ins Exil zu gehen. Er ging, wegen der beträchtlicheren Aussicht auf Erfolg nach England der Einladung des Erzbischofs von Canterbury folgend. Dieser wollte ihn zur Mitarbeit am Reformationswerk Eduards VI. heranziehen. Bucer erhielt eine einflussreiche Lehrstelle als Professor für die Heilige Schrift an der Universität von Cambridge und hatte große Wirkung auf die Theologie der noch jungen Anglikanischen Kirche.

Martin Bucer war zu seiner Zeit bekannter als Luther oder Calvin. Als vermittelnder Reformator zwischen den heftig zerstrittenen wortgewaltigen konfessionellen "Extremisten" und zwischen den Nationen geriet er im Laufe der Zeit nahezu in Vergessenheit. Dabei schuf er zweifellos eine eigenständige Theologie. Als einer der unbekannten Reformatoren geltend, zählte er zu den wirksamsten Persönlichkeiten der deutschen und europäischen Kirchengeschichte. Er war eine der ersten europäischen und ökumenischen Personen. Als "Mann der Mitte" kämpfte er für die Einheit der Reformation und gegen die Spaltung. Er förderte aber auch die Gespräche mit der römischen Kirche und strebte nach einer verständigen Auseinandersetzung mit den religiösen Randgruppen der damaligen Zeit. Er unterhielt Verbindungen über das Elsass und Deutschland hinaus und förderte die Reformation in Frankreich und England. Weitere Gründe dafür, dass Bucer in nahezu in Vergessenheit geriet sind seine schwer lesbare Handschrift und dass er als "Grenzgänger der Reformation" keinen eigenen Konfessionstyp begründete. Bucers praktisch-theologische Schriften beeinflussten nachhaltig die Kirchen der Reformation. Sie hatten herausragende Bedeutung für die Beziehung von Kirche und Staat. Seine Theologie kombinierte reformatorische, anglikanische und »pietistische« Elemente aus französischer, deutscher und englischer Tradition. Demnach ist es begreiflich, dass sowohl Lutheraner als auch Reformierte und Anglikaner ihn in die Reihe ihrer Kirchenlehrer aufgenommen haben.

Seine Losung war: "Auf dass sie alle eins seien."
Er betrachtete den Unterschied zwischen Luther und Zwingli eher als "Streit mehr in Worten als in der Sache".

Calvins Verhältnis zu Bucer

Der zweifelsohne bedeutendste Theologe für den frühen Calvin war der Straßburger Reformator Martin Bucer. Der erste Brief Calvins an Bucer datiert bereits aus einer Zeit, als Calvin noch in Frankreich weilte. Zwar lernten sich beide Reformatoren erst 1537 auf der Berner Synode persönlich kennen, doch lässt sich schon in der Institutio von 1536 ein Einfluss Bucers nachweisen. Sehr viel stärker noch sind die Einflüsse Bucers in der Institutio von 1539 und im Römerbriefkommentar von 1540. Calvin selbst verwies mehrfach mit großem Lob auf die Werke Bucers, vor allem auf die Kommentare zu den Evangelien (1527/30/36), zu den Psalmen (1529/32) und dem Römerbrief (1536). In Fragen der Kirchenordnung gilt Bucers Einfluss auf Calvin als erwiesen. Und auch in Calvins Prädestinations- und Sakramentenlehre, sowie in der Pneumatologie und dem Obrigkeitsverständnis wird ein Einfluss Bucers geltend gemacht. Dies dürfte wesentlich darauf zurückzuführen sein, dass Calvin 1538 in Straßburg Zuflucht fand und dort Seite an Seite mit Bucer lebte, lehrte und arbeitete. Über den Kontakt mit Bucer erhielt Calvin außerdem Einblick in die Probleme und Auseinandersetzungen des deutschen Protestantismus und lernte wichtige Reformatoren kennen. Zudem wurde er durch die Teilnahme an den Religionsgesprächen in Hagenau, Worms und Regensburg (1540/41) mit Bucers Unionsbemühungen vertraut. Als Calvin schließlich im September 1541 nach Genf zurückkehrte, blieben beide durch ihren Briefwechsel in ständigem Austausch miteinander. Im Sommer 1543 hielt sich Calvin zwar erneut in Straßburg auf, Bucer weilte zu diesem Zeitpunkt jedoch in Bonn, so dass beide nur brieflich miteinander verkehren konnten. Als Bucer schließlich 1549 nach Cambridge emigrieren musste, blieben beide bis zu Bucers Tod (1551) in brieflichem Kontakt. Calvin verehrte Bucer zeitlebens als Lehrer und väterlichen Freund. Er verteidigte ihn gegen ungerechtfertigte Angriffe. An einigen Punkten wahrte er jedoch bei allem Respekt auch kritische Distanz zu den Auffassungen des Straßburger Reformators.

Erika Godel / Achim Detmers


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00