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Ulrich Zwingli

Ulrich Zwingli wurde am 1. Januar 1484 in Wildhaus (Kanton St. Gallen) als drittes von zehn Kindern einer angesehenen Bauernfamilie geboren. Mit Hilfe von Verwandten und Freunden konnte der junge Zwingli in Wesen, Basel und Bern Schulen besuchen. Zwingli war sehr musikalisch. Er soll bis zu 12 Musikinstrumente beherrscht und über eine hervorragende Singstimme verfügt haben. Der Dominikanerkonvent in Bern wollte den begabten Jungen deshalb ins Kloster holen. Die Familie verhinderte dies jedoch.
Ab 1498 studierte Zwingli an den Universitäten Wien und Basel. Von 1502 bis 1506 studierte er in Basel und promovierte zum Magister der freien Künste. Auf das Studium der Philosophie folgte ein kurzes Studium der Theologie.

1506 wurde Zwingli  zum Priester geweiht. Kurz darauf trat er seine erste Pfarrstelle in Glarus an. In den Kämpfen von Novara und Marignano 1513/1515 beteiligte er sich als Feldprediger der Glarner Truppen. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit mündeten in eine öffentliche Ablehnung des Söldnertums.

1516 bis 1518 wirkte Zwingli als Leutpriester im nahegelegenen Einsiedeln, einem bekannten Wallfahrtsort. Hier äußerte er erste Kritik an Heiligenverehrung und Ablaß. Zudem machte er 1516 in Basel die Bekanntschaft mit dem großen Humanisten Erasmus von Rotterdam, dessen Schriften wegweisend für sein Denken und Handeln wurden. Zwingli schrieb große Teile des von Erasmus herausgegebenen Neuen Testaments eigenhändig ab und lernte sie auswendig. Dies führte Zwingli zu immer weiteren Reformgedanken, wie sie in humanistischen Kreisen geäußert wurden. So erwarb sich Zwingli den Ruf eines gelehrten und engagierten Priesters, was zu seiner Berufung an die bedeutendste Kirche des Stadtstaates Zürich, an das Großmünster, führte.

In Zürich beschäftige sich Zwingli eingehend mit den Briefen des Paulus und einzelnen Werken Augustins und erstmals auch mit einigen Schriften Martin Luthers. In vier Jahren setzte er am Großmünster Liturgiereformen durch, predigte mit großem Erfolg in fortlaufender Auslegung ganzer biblischer Bücher und gewann mehr und mehr Einfluss auf den Großen und Kleinen Rat.

In seinen Predigten wandte er sich gegen das Nichtstun und Wohlleben der Mönche, gegen die Heiligenverehrung und die Lehre vom Fegefeuer. Außerdem kritisierte Zwingli die Zehntenpraxis, wonach die Bauern regelmäßig Abgaben an die Stifte und Klöster zu entrichten hatten. Diese kritischen Predigten stießen bei der Zürcher Obrigkeit auf erste positive Resonanz. Zum entscheidenden Konflikt kam es aber erst, als Anhänger Zwinglis am 9. März 1522 demonstrativ gegen die kirchliche Fastenordnung verstießen. Im Hause des Verlegers und Druckers Froschauer kam es zu Beginn der Fastenzeit zu einem demonstrativen Wurstessen, bei dem Zwingli zugegen war, ohne sich allerdings an dem Wurstessen zu beteiligen. Kurze Zeit später nahm Zwingli auf der Kanzel Stellung zu dem Fastenproblem. Er rechtfertigte den Fastenbruch mit biblischen Argumenten. In den folgenden Wochen kam es zu Gottesdienststörungen durch radikale Anhänger Zwinglis. Der Bischof von Konstanz ermahnte die Zürcher Obrigkeit daraufhin zur Einhaltung der kirchlichen Ordnung. Zwingli widerlegte das bischöfliche Mahnschreiben und bestritt der kirchlichen Hierarchie wegen ihres verderbten Zustandes das Recht, in Fragen der Verkündigung und kirchlichen Ordnung zu urteilen.


Um die zunehmenden Konflikte unter Kontrolle zu bringen, entschloss sich der Rat, eine öffentliche Disputation auszuschreiben. Zwingli ging daraus als Sieger hervor, da der Rat im Vorfeld festgelegt hatte, dass nur Argumente aus der Bibel zählen sollten.  Daraufhin wurden vom Rat erste Reformen beschlossen: Predigt des Evangeliums, Abschaffung der Klöster, Beseitigung der Bilder und Statuen aus den Kirchen, Abschaffung der Messe und Einführung des evangelischen Gottesdienstes.

Im Jahr 1524 heiratete Zwingli Anna Reinhart. 1525 wurden die radikalen täuferischen Anhänger Zwinglis aus Zürich ausgewiesen, nachdem ein Disput vor dem Züricher Rat zwischen ihnen und Zwingli stattgefunden hatte. 1527 wurde der Täufer Felix Manz in der Limmat ertränkt.

1529 trafen sich Zwingli und Luther in Marburg auf Wunsch von Landgraf Philipp von Hessen, um die unterschiedlichen Ausprägungen der oberdeutsch-schweizerischen und der Wittenberger Reformation zusammenzuführen. Luther und Zwingli konnten sich auf 14 Artikel einigen. Nur im Blick auf die Realpräsenz im Abendmahl gingen sie im Dissens auseinander.

Zwingli vertrat den Gedächtnischarakter des Abendmahls und verfocht die symbolische Gegenwart Christi im Abendmahl. In den Jahren 1528/29 konnte Zwingli auch die Kantone Bern, Basel, St. Gallen und Straßburg von seinen reformatorischen Ideen überzeugen. Dagegen hatte er in den übrigen Kantonen der deutschen Schweiz keinen Erfolg, sie setzten sich gegen seine Reformationsbewegung zur Wehr. Die Konfrontation zwischen katholischen und protestantischen Kantonen mündete 1529 in den 2. Kappeler Krieg. Darin begleitete Zwingli die protestantischen Truppen als Feldprediger. Im Oktober 1531 wurde das protestantische Heer bei Kappel besiegt. Zwingli wurde dabei verwundet aufgefunden, getötet, viergeteilt und verbrannt.

Zwinglis Schüler und Mitstreiter Heinrich Bullinger (1504-1575) übernahm die Leitung der Reformation in Zürich.

Achim Detmers


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00