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Unterricht

"Stiller Schlichter": Eine Unterrichtseinheit zu Calvin

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Der Fall Marquet – ein Hutmacher schlägt seinen Sohn mit der Peitsche (1548)

1548 kam ein Familienstreit im Haus eines Genfer Hutmachers vor das Konsistorium. Für Calvin und die anderen Mitglieder war es nicht leicht, in so einem Fall zu helfen. Sie brauchten viel Fingerspitzengefühl. Bevor Ihr seht, wie Calvin versuchte, den Konflikt in der Familie Marques zu lösen, sollt Ihr es selbst versuchen. Dazu müsst Ihr verstehen, was sich die Streitenden vorwerfen. Das lässt sich nicht immer leicht erkennen. Aber es gibt eine Möglichkeit, das zu erfahren:

Jede Äußerung enthält bis zu vier Botschaften: eine Sachaussage, eine Selbstaussage, einen Beziehungshinweis und einen Appell (siehe Abbildung unten). Meistens hören wir nicht alle vier Botschaften, sondern nur eine, was zu Missverständnissen führen kann. Jemand, der einen Streit schlichten will, muss aber alle vier Botschaften hören.

Dazu ein Beispiel: In einem Auto fahren ein Sohn (am Steuer) und sein Vater (als Beifahrer) auf eine Ampel zu. Der Vater sagt zum Sohn: „Du, da vorne ist grün.“ Mit dem Sach-Ohr gehört, ist diese Nachricht einfach: „Die Ampel zeigt grün.“ Mit dem Beziehungs-Ohr hört der Sohn vielleicht zwischen den Zeilen: „Ich traue Deinen Fahrkünsten nicht.“ Mit dem Appell-Ohr hört er möglicherweise: „Gib Gas, noch ist grün!“ Mit dem Selbstaussage-Ohr könnte er hören: „Ich bin ängstlich, wenn ich mit Dir fahre.“ Der Sohn antwortet nun aber: „Fährst Du oder fahre ich?“ Er hört mit dem Beziehungsohr und wehrt sich gegen die angebliche Bevormundung durch seinen Vater.

Jetzt zu Herrn Marquet aus Genf und seinem Sohn Pierre. Beide wurden vor das Konsistorium geladen...


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 16. März 2021 14:53