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Kino im Kopf

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Genfer Rathaus, einige Tage später

Servet betritt begleitet von Perrin siegesbewusst die Verhandlung vorm Genfer Stadtrat.

  • Der vorsitzende Bürgermeister fordert, die Anklage vorzubringen. La Fontaine erhebt sich, beginnt.
  • Der Richter unterbricht ihn. Calvin möge nicht feige seinen Sekretär schicken, sondern selbst die Anklage vorbringen.
  • Perrin und Servet reagieren mit Genugtuung.
  • Calvin erhebt sich verunsichert und nennt die Anklagepunkte: Servets Schriften gegen die Trinitätslehre und gegen die Kindertaufe. Calvin legt drei Bücher vor und einen Brief mit Beleidigungen gegen Calvin und die Stadt Genf.
  • Servet bestätigt, die Bücher und den Brief geschrieben zu haben; sie enthielten aber keine Lästerungen, und wenn es um Beleidigungen gehe, so sei Calvin darin ein viel größerer Meister (verhohlenes Gelächter im Saal).
  • Calvin führt unbeirrt aus, Servet ziehe die Kirchenväter fälschlicherweise für seine Trinitätslehre heran.
  • Servet kontert, es gehe hier nicht um die Interpretation der Kirchenväter. Nur wenn er aufgrund der biblischen Schriften widerlegt werde, wolle er seine Anschauungen widerrufen; so sei es seit Luther üblich (Zustimmung im Saal). Er sei mit seiner Kritik der kirchlichen Trinitätslehre im Recht. Das Wort „Trinität“ finde sich nicht ein einziges Mal in der Bibel. Und auch die Taufe von Kindern werde nirgends erwähnt.
  • Calvin wendet ein, dass schon im Alten Testament die Kinder beschnitten worden seien.
  • Servet kontert, das habe bei den Juden nur für die Jungen gegolten und bei denen habe es wenigsten eine medizinisch nachweisbare Minderung der fleischlichen Begierde zur Folge gehabt (Gelächter im Gerichtssaal), was man von der Kindertaufe nicht behaupten könne (das Gelächter verstummt). Servet fährt fort: Die Kindertaufe sei vielmehr eine Erfindung des Teufels, eine höllische Lüge zur Zerstörung der gesamten Christenheit.
  • Calvin entgegnet empört, Servet sei immerhin eines Verbrechens angeklagt, das nach geltendem Recht mit dem Tode bestraft werde.
  • Servet erwidert, in der Frühzeit der Kirche sei niemand wegen einer abweichenden Meinung hingerichtet worden; die allerhöchste Strafe habe in der Verbannung bestanden.
  • Perrin ergänzt höhnisch: Wenn es nach Calvin ginge, müsse halb Genf in die Verbannung (vereinzelte Zustimmung im Saal).
  • Calvin kontert: Wenn Servet das Genfer Gericht nicht akzeptiere, könne man ihn nach Frankreich schicken, ein Auslieferungsgesuch aus Vienne liege bereits vor.
  • Aus dem Gerichtssaal ruft einer zustimmend, man solle diesen Lästerer nach Vienne schicken.
  • Servet ruft erschrocken, man möge ihn um Himmel willen nicht der Inquisition ausliefern.
  • Calvin äußert, er habe Servet nicht gebeten, nach Genf zu kommen. Er habe ihn auch nicht gebeten, beleidigende Briefe nach Genf zu schreiben. Calvin liest laut aus einem Brief Servets vor: „Euer Evangelium ist ohne einen Gott, ohne wahren Glauben und ohne gute Werke. Anstelle des einen Gottes betet ihr ein dreiköpfiges Monster an. Ihr habt keine Kenntnis von der himmlischen Wiedergeburt durch die Taufe und verschließt den Menschen das Reich Gottes. Wehe Euch, wehe, wehe. (...) Aber ich gebe den Mut nicht auf, auch wenn ich für meine Überzeugung wie Christus sterben muss.“ Das sei unerhört, so Calvin, dass sich Servet mit Christus vergleiche.
  • Servet merkt, wie die Stimmung im Gerichtssaal zu seinen Ungunsten kippt. Er kontert, nicht er gehöre vor Gericht, sondern Calvin. Dessen falschen Lehren seien in Genf umstritten. Nicht er, sondern Calvin habe ein todeswürdiges Verbrechen begangen, indem er der Inquisition in Vienne Beweismaterial zugespielt habe. Einen rechtgläubigen Protestanten an die Inquisition zu verraten, darauf müsse die Todesstrafe stehen. (Unruhe im Gerichtssaal). Calvin sei ein Mörder, er tyrannisiere Genf mit seinen jüdischen Lehren. Schon bald werde Christus wiederkehren und dem wahren Reich zum Durchbruch verhelfen. Man solle Calvins Tyrannei beenden und ihn aus der Stadt vertreiben.
  • Im Gerichtsaal kommt es zu einem Handgemenge.
  • Der Vorsitzende versucht, durch Aufstampfen mit dem Amtsstab Ordnung in die Versammlung zu bringen.
  • Perrin entreißt ihm den Stab und ruft, die Genfer hätten Calvins Bevormundung satt. Es sei Zeit, ihn und seine französischen Anhänger aus der Stadt zu vertreiben.
  • Herbeigerufene Wachen überwältigen Perrin.
  • Der reißt sich los und flieht. Servet beobachtet die Szene fassungslos, dann schlägt er sich unablässig vor die Brust und brüllt in dem Durcheinander „Misericordia! Misericordia! O Jesus, Sohn des ewigen Gottes, erbarme dich meiner!“
  • Die Wachen führen Servet ab.

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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 16. März 2021 14:53