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Vom Calvinismus geprägt

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Anna von Anhalt-Bernburg (1579-1624)

Anna von Bentheim wurde am 4. Januar 1579 in Tecklenburg geboren. Ihre Mutter Magdalena war eine geborene Gräfin zu Neuenahr, Moers und Limburg. Ihr Vater war Graf Arnold II. von Bentheim, der 1571/72 an der Straßburger Hohen Schule mit dem Calvinismus in Berührung kam und ab 1588 das reformierte Bekenntnis in den Grafschaften Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt und Limburg a. d. L. einführte.

Mit 16 Jahren heiratete Anna von Bentheim den späteren Fürsten von Anhalt-Bernburg, Christian I. (1568-1630). Diese Heirat hatte einen konfessionspolitischen Hintergrund: Das Fürstentum Anhalt hatte sich bereits unter Christians Vater Joachim Ernst (1536-1586) dem durch Melanchthon geprägten Luthertum zugewandt und öffnete sich immer mehr dem Calvinismus. Durch diese Abgrenzung zum Luthertum lockerten sich auch die bisher engen Beziehungen zum lutherischen Sachsen. Anhalt brauchte als kleines Land aber einen größeren, stärkeren Partner, um im Reich zu bestehen. Das Fürstenhaus begann, sich mehr und mehr der reformierten Pfalz zuzuwenden, kirchlich und politisch. Als ein Zeichen dieser Neuorientierung stand die Heirat der fürstlichen Brüder Johann Georg und Christian im Sommer 1595 mit zwei reformierten Fürstentöchtern. Während Johann Georg die Pfalzgräfin Dorothea von Simmern ehelichte, vermählte sich Christian I. am 2. Juli 1595 in Lorbach mit Anna von Bentheim. Christian wurde im selben Jahr Statthalter der Oberpfalz und war ab 1610 Kanzler der Kurpfalz.

Anna lebte mit ihrem Mann und den 16 Kindern, von denen 11 die Mutter überlebten, in der oberpfälzischen Residenzstadt Amberg. 1620 unterlag jedoch das von ihrem Mann geführte böhmische Heer in der Schlacht am Weißen Berg dem Heer der katholischen Liga. Christian I. wurde vom Kaiser geächtet und floh ins Exil nach Schweden und von dort ins dänische Flensburg. Anna scheint ihrem Mann mit den Kindern gefolgt zu sein und zog 1624 nach der Rehabilitierung ihres Mannes auf das Schloss im anhaltischen Bernburg. Dort starb sie am 9. Dezember 1624 und wurde in der Schlosskirche beigesetzt.

Anna von Anhalt-Bernburg teilte mit ihrem Ehemann die Vorliebe für die französische und italienische Sprache. Ihren hohen Bildungsstand bewies sie außerdem durch ungewöhnlich gute Kenntnisse der Arzneikunde. 1617 gründete sie die »Noble Académie des Loyales« (Edle Academie der Aufrichtigen). Dieser reine Frauenzirkel verstand sich als Gegenstück zum Männerorden der »Fruchtbringenden Gesellschaft«, die im selben Jahr von ihrem Schwager Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen gegründet worden war. Anna war die Patronin der Noble Académie. Die Mitglieder kamen aus dem hohen reformierten Adel. Ziel des Zirkels war die Ertüchtigung zu tugendhaftem Leben. Auf dem Programm stand: »mit Ehrlichen / Ihnen und ihrem Stande wohl anstehenden auch frölichen Übungen und Gesprächen zubringen / unter welchen auch diese sein sollen / daß Sie sich befleißigen / unterschiedlicher Sprachen / allerhand schöner Hand-Arbeit / auch anderer feiner künstlicher Sachen / darunter auch die Musick / Gedichte«.

Außerdem sammelten die adligen Frauen Geld »zu Nutz armer Kinder, dieselbe etwas zu lernen«. Die Noble Académie bildete nicht nur ein Netzwerk des hohen reformierten Adels am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges, sondern kann mit einiger Vorsicht auch zur Vorgeschichte der Salons und der Lesegesellschaften im 18./19. Jahrhundert gerechnet werden.

Günter Preckel


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00