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Literarisches

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Roman "Feuertäufer" von Antonio Orejudo

Buchbesprechung

Inhalt

Das Buch spielt zur Zeit der Reformation. Schauplatz des ersten Kapitels ist die Stadt Münster in Westfalen, in der sich der junge Prediger Bernd Rothmann den Täufern unter der Führung von Jan Matthijs und Jan Beukels anschließt. Nach dem Untergang des Täuferreichs zu Münster 1535 macht das Buch einen Orts- und Zeitwechsel und setzt die Erzählung 1553 in Lyon fort. Mathieu Ory, der ehrgeizige Großinquisitor von Frankreich, forscht nach dem Autor der ketzerischen Schrift mit dem Titel "Die Erneuerung des Christentums". Erste Untersuchungen ergeben, dass einer der engen Freunde des Großinquisitors, der Drucktypengestalter Jean Pfister einige der mit ketzerischen Motiven gestalteten Buchstaben des Manuskriptes erstellt hat. Um sein Leben zu retten, macht sich Jean Pfister zusammen mit einem Bewacher auf, um nach dem Autor des Manuskriptes zu fahnden. Die Recherchen führen ihn auf die Spur eines gewissen Michel de Villeneufve, einem begabten Mediziner. Schließlich trifft Jean Pfister einen Räuberhauptmann, der in ihm den damals aus dem Desaster von Münster glücklich entkommenen Bernd Rothmann erkennt und zu ermorden versucht. Glücklich genesen findet Rothmann-Pfister schließlich heraus, dass der untergetauchte Villeneufve als Leibarzt bei Bischof Palmier von Vienne arbeitet, eine Information, die aber inzwischen schon von dem Reformator Calvin an den Großinquisitor in Lyon übermittelt wurde. Als Pfister-Rothmann nach Lyon zurückkehrt, ist der Leibarzt und Autor der ketzerischen Schrift bereits verhaftet worden, er kann aber entkommen. Villeneufve-Servet flieht nun nach Genf, wo er von Calvin angeklagt und als Gotteslästerer am 27.10.1553 verbrannt wird. Rohtmann-Pfister, der Villeneufve-Servet retten möchte, kommt zu spät nach Genf und findet nur noch die Asche auf dem Hinrichtungsplatz.

Orejudo versucht, in seinem Roman das Drama zwischen Calvin und Servet in einen größeren historischen Kontext zu stellen. Er bemüht sich, die neueren Erkenntnisse zum Hintergrund des Konflikts zwischen Calvin und Servet zu berücksichtigen. Dadurch wird die Rolle Calvins im Prozess gegen Servet nicht ganz so einseitig negativ dargestellt wie etwa bei Stefan Zweig (Castellio gegen Calvin. Ein Gewissen gegen Gewalt). Gleichwohl vernachlässigt der Roman an vielen Stellen die historische Recherche und verzerrt die Motive Calvins. Sein Urteil ist aber zutreffend: Calvins Vorgehen gegen Servet war ein schwerer "politischer Fehler und zugleich ein theologischer Fehler".

Autor (Klappentext)

Antonio Orejudo, geboren 1963 in Madrid, verbrachte nach seinem Studium mehrere Jahre als Dozent für spanische Literatur an einer amerikanischen Universität. Er veröffentlichte bislang drei Romane, alle von der Kritik hoch gelobt und mit Preisen ausgezeichnet. "Feuertäufer" begeisterte in Spanien Kritiker und Leser gleichermaßen. Mit diesem Roman wird Antonio Orejudo zum ersten mal in Deutschland vorgestellt.

Roman "Feuertäufer" von Antonio Orejudo, Knaus-Verlag 2006,
252 Seiten, 18,- Euro.

Achim Detmers


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00