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Schüler Calvins

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Lambertus Danaeus

geb. um 1530 in Beaugency-sur-Loire; gest. 1595 in Castres (Südfrankreich).

Danaeus ist ein Schüler Calvins, der durch sein umfangreiches Schrifttum (ungefähr 60 separate Titel!) einen beträchtlichen Anteil an der Ausgestaltung und Ausbreitung des Calvinismus hatte.

DanaeusDanaeus studierte in den Jahren 1553 bis 1559 die Rechte in Orléans und Bourges, wo die damals berühmtesten Vertreter humanistischer Jurisprudenz lehrten. Zum Doktor der Rechte promoviert, brach er 1560 nach Genf auf, um bei Calvin Theologie zu studieren. Im Jahre 1562 wurde er Pfarrer der evangelischen Gemeinde in dem nahe Orléans gelegenen Ort Gien-sur-Loire. Bereits in dieser durch die beginnenden Bürgerkriege geprägten Zeit war er mehrfach persönlich von Verfolgung betroffen, bis er nach den Massakern an Protestanten im Zusammenhang der Bartholomäusnacht vom August 1572 Frankreich verlassen musste. Wie viele andere floh er nach Genf und übernahm an der Akademie die Aufgabe, Theologie zu lehren, um den Inhaber des theologischen Lehrstuhls, Theodor Beza, zu entlasten. Aufgrund seiner zahlreichen Publikationen erhielt er 1579 einen Ruf auf den theologischen Lehrstuhl der 1576 gegründeten Universität Leiden, dem er allerdings erst Anfang 1581 folgen konnte. Hier geriet er als Vertreter einer strengen Kirchenzucht bald in Konflikt mit dem Rat der Stadt und verschiedenen Kirchenvertretern, so dass er Leiden bereits Ende Februar 1582 wieder verließ. Es folgte eine einjährige Lehrtätigkeit an der Akademie in Gent von Mai 1582 bis Mai 1583 und schließlich Lehr- und Pastoraltätigkeiten in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze.

Das umfangreiche literarische Ouvre Danaeus' zeichnet sich durch die außerordentliche Breite der behandelten Themen aus. Neben umfassenden Darstellungen und einem Kompendium zur Dogmatik hat er Kirchenväter übersetzt und Kommentare zu biblischen Büchern, aber auch zu altkirchlichen Schriften und einem scholastischen Werk verfaßt. Herausragendes geleistet hat dieser "äußerst disziplinierte Arbeitsmensch" (Simon Goulart) in dreifacher Hinsicht: Zum einen sind mehrere, teilweise umfangreiche Werke und Traktate der polemischen Bekämpfung von katholischen und lutherischen Irrlehren gewidmet. Zum anderen kennzeichnet sein literarisches Ouvre ein enzyklopädisches Bestreben. Das nicht zuletzt durch die humanistische Neuentdeckung des antiken Schrifttums stark angewachsene Wissen sollte mit dem Wort Gottes in Beziehung gesetzt und dessen Überlegenheit erwiesen werden. Diesem Ziel dienten unter anderem umfangreiche Werke zur christlichen Physik (zuerst 1576 und 1580). Den dritten und wichtigsten Schwerpunkt seines Werkes bilden Schriften zu ethischen Fragen. Neben dem großen Entwurf einer christlichen Ethik, den Ethices Christianae libri tres (Drei Bücher über die christliche Ethik) von 1577, sowie der politischen Ethik hat Danaeus ihnen eine Fülle von kleineren Schriften gewidmet, so zum Beispiel einen Traktat über das Glücksspiel. Danaeus' theologiegeschichtliche Bedeutung liegt darin, daß er die erste umfassende, systematisch entfaltete theologische Ethik im Bereich des Protestantismus geschrieben hat.

Christoph Strohm

Bild: Boissard, Jean-Jacques/Bry, Theodor de: Bibliotheca chalcographica, hoc est Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines, Tl. 6, Frankfurt a.M. o.J. [1669], Bl. b4 [www.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/aport/seite257.html, 23.10.2008]


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00