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Schüler Calvins

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Caspar Olevian

Caspar Olevian (1536-1587) zählt zu den bedeutenden Schülern Calvins im deutschsprachigen Raum. Der reformierte Protestantismus verdankt ihm seine inhaltliche Prägung und organisatorische Geschlossenheit. Geboren 1536 in Trier, studierte er ab 1550 in Frankreich die weltlichen Rechte. Der Kontakt zur reformierten Gemeinde in Bourges prägte ihn so tief, dass Olevian nach der Promotion 1557 anschließend ein Jahr bei Calvin und Bullinger Theologie studierte. Calvin schätzte den "lieben Caspar" sehr und erkannte dessen kirchenpolitische Fähigkeiten.  Diese sollte Olevian erstmals 1559 unter Beweis stellen, als der junge Jurist mit Billigung Calvins in Trier eine evangelische Gemeinde um sich sammelte und  politische Mehrheiten in der Stadt zu verschaffen suchte. Beinahe mit Erfolg - doch dieser auch im Reich stark beachtete Reformationsversuch scheiterte im September 1559 am massiven Einsatz militärischer Kräfte des Erzbischofs.

Wenig später sollte Olevian in der Kurpfalz Zuflucht finden. An dem Ausbau des reformierten Pfälzer Kirchenwesens beteiligte er sich ab 1561 an verantwortlicher Stelle. Jetzt waren seine organisatorischen Fähigkeiten erneut gefragt: Als Mitglied des Kirchenrates zuständig für die Einführung des Heidelberger Katechismus, kämpfte er für die Einführung eines presbyterialen Kirchenwesens mit eigener Kirchenzucht und verteidigte publizistisch die Pfälzer Kirche gegenüber altgläubigen und lutherischen Angriffen. 

1576 erfolgte in der Kurpfalz ein konfessioneller Kurswechsel. Der neue - jetzt lutherische -  Kurfürst Ludwig VI. wies Olevian persönlich aus. Doch erneut fand Olevian rasch eine Stellung, erst in Berleburg (1577-1584), dann in Herborn (1584-1587). In diesen Jahren legte er mit seinem "Vesten Grund" die zentrale bundestheologische Schrift vor und war 1584 maßgeblich an der Gründung der "Hohen Schule Herborn" beteiligt. 

In drei Punkten hat Olevian den Calvinismus entscheidend geprägt:  Der Kirchenpolitiker kämpfte für eine presbyterial-synodale Kirchenordnung und verteidigte seine Ziele vehement gegen "Altgläubige" und Lutheraner. Der Theologe entfaltete eine Bundestheologie, die für die reformierte Theologie große Bedeutung erlangte und in den Niederlanden sowie im  angelsächsischen Raum stark bearbeitet wurde. Der Christ jedoch strebte in seinen letzten Lebensjahren nach einem echten Dialog zwischen den Konfessionen.

Andreas Mühling


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00