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Schüler Calvins

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Zacharias Ursin

Zacharias Ursin (1534-1583) zählt zu jenen reformierten Theologen des 16. Jahrhunderts, deren Arbeiten bis heute noch immer gelesen werden. Geboren 1534 in Breslau, studierte Ursin bei Melanchthon in Wittenberg Theologie. Ursin, dessen Begabung Melanchthon erkannte, begleitete seinen Lehrer 1557 zum Religionsgespräch nach Worms und reiste anschließend, versehen mit einem Empfehlungsschreiben Melanchthons, in die Eidgenossenschaft - hier lernte er Calvin und Bullinger kennen - und nach Frankreich.

Ab 1558 als Lehrer in Breslau tätig, näherte sich Ursin jedoch Positionen Calvins an. Zum Bruch mit dem Luthertum kam es bereits 1559, als er im Breslauer Abendmahlsstreit erstmals calvinistische Abendmahlsthesen  offen vertrat: Seine Entlassung aus dem Schuldienst und rastlose Reisen durch Mitteleuropa waren die Folge.

Juli 1561 erreichte ihn schließlich ein Ruf nach Heidelberg als Dozent am Sapienzkolleg. 1562 zum Doktor der Theologie promoviert und zum Professor ernannt, avancierte Ursin bis 1576 zum wichtigsten Theologen der Kurpfalz. Doch der konfessionelle Umschwung des Jahres 1576 traf auch ihn schwer. Seiner Ämter enthoben, gelang es ihm 1578, in Neustadt (Südpfalz) eine Dozentur am Collegium Casimiarum zu erhalten; eine Position, die er bis zu seinem Tod 1583 innehatte.

Mit dem Namen dieses bedeutenden Gelehrten verbinden sich zwei zentrale Punkte - der Heidelberger Katechismus von 1563 und die sog. Pfälzer Irenik. Die Forschung ist mittlerweile der Meinung, dass der Katechismus - entstanden als eine Kommissionsarbeit - wesentlich auf die Arbeiten Ursins zurückzuführen ist.  Mit diesem Katechismus schuf Ursin nicht nur eine der bis heute weltweit verbreiteten und in zahlreichen reformierten Kirchen noch immer gültigen reformierten Bekenntnisschriften. Er legte zudem ein Kompendium reformierter Frömmigkeit vor, dessen theologische Kraft selbst heute noch zu überzeugen vermag.  

Weiter erkannte Ursin bereits schon in Heidelberg, dass nur der friedliche konfessionelle Ausgleich auf dem Fundament gemeinsamer Überzeugungen - ein Fundament, welches inhaltliche Differenzen aushalten kann -  Frieden und Wohlstand für alle Menschen zu sichern vermag. Ursin zeichnete in seinen Schriften ein plurales, zugleich buntes Bild einer sich auf ein gemeinsames Fundament berufenden Kirchenfamilie; eine am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges bemerkenswerte Vision.

Andreas Mühling


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Publikationsdatum dieser Seite: Mittwoch, 10. August 2016 11:00